51 - aufbrechen
Aufbrechen, "der Donner", ist der jüngste Sohn der Entschlossenheit. Hier wird mit einem Paukenschlag die Welt neu geschaffen. Kein Stein bleibt auf dem anderen.
Es ist ein Gefühl des Keimens, voll jugendlichem Elan und mit überschäumender Energie bahnt sich das Neue seinen Weg hinaus in die Welt, in ein neues, selbst bestimmtes Leben. Es fallen Späne, ja: die Bewegung ist getragen von jugendlichem Enthusiasmus und einem noch unverletzten Allmachtsglauben.
Doch manchmal gibt es auch Momente der Stille. Dann schleichen sich andere, verzagte Gefühle heran. Jede Veränderung löst tief sitzende Ängste aus, jeder Neuanfang ist zugleich Abschied. An der Oberfläche spürt man die Angst vor dem Neuen, dem Unbekannten. Doch tatsächlich ist es oft die Furcht davor, wahrhaftig man selbst zu sein.
Mut und Demut sind jetzt gefordert. Mut, um sich der Furcht zu stellen, Demut, um die Lektionen anzunehmen, die das Leben für einen bereithält. Aber, wie es im traditionellen Text heißt, "das Erschüttern bringt Gelingen": sich seiner Angst zu stellen führt zur Quelle der eigenen Kraft.
Traditionelle Deutung
erregung (51) bedeutet sich erheben.
bildworte
Fortgesetzter Donner: das Erregende. So vervollkommnet sich der Edle unter Furcht und Zittern und geht in sich.
urteil
Das Erschüttern bringt Gelingen. Das Erschüttern kommt, huhu! Lachende Worte, haha! Das Erschüttern lässt über hundert Meilen erschrecken, aber er läßt Opferlöffel und Opferwein nicht fallen.
Originalkommentar des I Ging, 1924 übersetzt von Richard Wilhelm (Projekt Gutenberg)
