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Einführung: I Ging und das Projekt no2DO
Die Fischreuse hat den Zweck, der Fische habhaft zu werden.
Die Bilder sind die Reuse für die Ideen.
Das Orakelspiel von no2DO basiert auf dem I Ging, dem "Buch der Wandlungen". no2DO ist dabei eine westliche, zeitgenössischen Annäherung.
Dass dies ein gewagtes Unterfangen ist, ist mir bewusst, denn schließlich handelt es sich beim I Ging um eines der ältesten Bücher der Menschheit. Andererseits bin ich Künstlerin, was bedeutet dass ich gewohnt bin, Dinge, die ich verstanden habe mutig und klar auszudrücken, ohne mich dabei zur Legitimation auf Andere bzw. auf Institutionen zu stützen.
Da ich selbst kein Chinesisch spreche, basiert meine Arbeit mit dem I Ging auf Wilhelm Reichs Übersetzung der klassischen Texte von 1924, sowie der sehr guten Neuübersetzung durch Georg Zimmermann, die 2007 erschien.
Obwohl speziell Letztere viel zeitgemäßer und sehr gut erläutert ist, finde ich die Texte zu den Orakelzeichen immer noch schwierig, und oft erschließt sich mir der Sinn nur schwer. Ich führe das darauf zurück, dass die Originaltexte (und Übersetzung ist und bleibt Übertragung des Originals und nicht dessen Neuinterpretation) aus einer Zeit stammen, die der unseren sehr, sehr fern - und oft auch fremd - ist: die Bildwelten, die die Originalautoren verwenden rufen in uns oft völlig andere Assoziationen hervor.
Also ist mein Ansatz, dass ich versuche, den Sinn der Zeichen selbst zu verstehen - um ihn dann in Worten auszudrücken, die unserem Kulturkreis zugänglich sind. Ein Zitat, das mich in diesem Unterfangen bestärkt stammt von Wang Bi (226 - 249) und findet sich im Buch I Ging von Georg Zimmermann, S. 64 und Anmerkung Nr. 14.
Die Bilder gehen aus den Ideen hervor. Die Worte machen die Bilder klar. Um die Ideen vollständig auszudrücken, gibt es nichts Besseres als die Worte. Die Worte sind aufgrund der Bilder entstanden. Daher kann man die Bilder schauen, indem man die Worte untersucht. Die Bilder werden von den Ideen beherrscht. Daher kann man die Ideen schauen, indem man die Bilder untersucht. Die Ideen werden durch die Bilder vollständig erfasst und die Bilder durch die Worte klar gemacht. Daher haben die Worte den Zweck, die Bilder zu erklären; hat man die Bilder erfasst, so vergisst man die Worte. Die Bilder haben den Zweck, die Ideen zu erkunden; hat man die Ideen erfasst, so vergisst man die Bilder. Ebenso hat das Verfolgen der Spur eines Hasen den Zweck, seiner habhaft zu werden. Hat man ihn gefasst, so vergisst man die Spur. Die Fischreuse hat den Zweck, der Fische habhaft zu werden. Hat man sie gefasst, so vergisst man die Reuse. Nun denn, so sind die Worte die Spur zu den Bildern. Die Bilder sind die Reuse für die Ideen. Wer daher bei den Worten stehenbleibt, wird nicht die Bilder erfassen, und wer bei den Bildern stehen bleibt, wird nicht die Ideen erfassen.
In meinem Projekt SixtyFour Kōans beschreite ich einen anderen Weg, denn man kann auf zweierlei Art Einsicht in die Dinge gewinnen: durch umfangreiche Lektüre und anschließende Reflektion wie bei no2DO; oder aber durch Kontemplation. Diese und weitere Ergebnisse finden Sie auf meiner Website → www.soika.com.
Buchempfehlungen
I Ging - Das Buch der Wandlungen von Georg Zimmermann
