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I Ging, Akupunktur und Wandlungsphasen
Das I Ging ist ein ebenso komplexes wie einfaches philosophisches System, das den immanenten Wandel der Welt beschreibt und den Wandel selbst zum Grundprinzip des Universums erklärt (→ Lama Govinda). Die → Traditionelle Akupunktur bezieht diese Lehre von Wandel und Veränderung auf unseren menschlichen Körper und macht sie dadurch greifbar.
Die → Fünf Wandlungsphasen (Wu Xing, 5-Elemente-Lehre) verbinden beide Systeme miteinander: die acht → Trigramme des I Ging weisen ebenso wie die Akupunkturmeridiane jeweils ganz unterschiedliche Charakteristika auf und lassen sich dadurch jeweils einer der fünf Wandlungsphasen zuordnen.
Für die Trigramme des I Ging gibt es bei dieser Zuordnung unterschiedliche Systeme. In meinem Interpretationsmodell habe ich die → Reihenfolge des späten Himmels bzw. innerweltliche Ordnung gewählt.
34 – des großen macht
Mai 2012: Ein/e Nutzer/in hat folgende Frage: “Ist es richtig dem neuen Vertrag nicht zuzustimmen und damit ein Ende der Zusammenarbeit in Kauf zu nehmen?” Zur Situation: “Langwierige Verhandlungen für eine freiberufliche Tätigkeit; letztes Problem im Vertrag: AG möchte eine Exklusivität von mir als AN[gestellte/r] aber ohne ein festes Mindestgehalt. Kein deal auf Augenhöhe also! ”
Die Antwort des I Ging lautet 34 – Des Großen Macht.
Zeichen 34 – Des Großen Macht beginnt mit doppeltem Qian (unteres Trigramm und erstes Kernzeichen; der Himmel). “Ich, ich, ganz ich” weist auf einen Menschen, der ganz und gut bei sich selbst ist: jemand, der weiß wer er ist, was er braucht, was er kann.
Qian entspricht dem Herzmeridian. Das Huáng Dì Nèi Jīng Sù Wèn schreibt zum Funktionskreis Herz:
Wenn der Herrscher erleuchtet ist, werden seine Untertanen in Frieden leben können; wer sein Leben nach diesen Prinzipien ausrichtet, wird ein hohes Alter erreichen, und er wird niemals gefährdet sein. Wer sein Reich nach diesen Prinzipien regiert, wird ein goldenes Zeitalter haben.
Zitat: → http://www.no2do.com/synopse/archives/423
Es ist also sehr gut, an diesem Punkt des doppelten Qian angekommen und ganz bei sich zu sein. Doch die Zeit, das Leben bleibt nicht stehen und alles entwickelt sich fort. Auch Qian ist eine Durchgangsstation im Kreislauf des Lebens. Und so folgt auf das doppelte Qian das zweite Kernzeichen Dui (der See).
In Dui öffnen wir uns dem Außen, unserer Umwelt, und sind gefordert, uns mit dem, was uns begegnet, auseinander zu setzen. Dies kann auf unterschiedliche Weise geschehen. Unser Umfeld kann unser Innerstes berührt, uns inspirieren, uns bereichern, unseren Horizont erweitern. Aber die Begegnung mit der Umwelt kann in manchen Fällen auch bedeuten, dass wir klar Position beziehen müssen. Wenn wir dann unser Inneres nach Außen hin ausdrücken wird unser Selbst (Qian; “Ich, ich, ganz ich”) in der Welt lebendig.
In jedem Fall überschreiten wir in Dui immer auf zweierlei Weise die Grenzen unseres Selbst: im Rhythmus des Einatmens und Ausatmens, von Außen nach Innen und von Innen nach Außen.
Vertragsverhandlungen sind ein gutes Beispiel für eine Situation, in der sich Innenwelt und Außenwelt berühren. Da ist ein Mensch, ein Selbst, der ganz bei sich ist, der in seinem Leben ruht. Und dieser Mensch begegnet dann einem anderen Menschen, dem Verhandlungspartner, jemand, der möglicherweise ganz andere Lebenserfahrungen gemacht hat und Ansichten pflegt. Es begegnen sich mehr als zwei Menschen, nämlich zwei Welten, zwei Weltbilder. Im Fall des Fragenden: ein philosophisch interessierter Freiberufler trifft auf einen dem Shareholder Value [dem Unternehmenswert] verpflichteten Angestellten des mittleren Managements…
Wir haben wohl alle während der Bankenkrise Dinge über das Wirtschaften gelernt. Dass es Unternehmen gibt, die sich ausschließlich auf den Shareholder Value konzentrieren. Oder Manager, die Entscheidungen allein zugunsten einer Steigerung des eigenen Unternehmenswertes treffen. Und wir haben erfahren, zu welchen Resultaten das führt.
Die Kritik am Shareholder-Value-Ansatz wird inzwischen lauter, es heißt, er sei “unternehmensethisch nicht vertretbar und als Grundlage einer Unternehmensphilosophie ungeeignet”.
Ich habe kürzlich über ein alternatives Konzept, Shared Value Creation, gelesen. SVC ist eine Unterbereich der Corporate Social Responsibility (CSR). Dem SVC-Ansatz liegt die Erkenntnis zugrunde, dass “kein Unternehmen in einer scheiternden Gesellschaft überleben kann”. Daraus ergibt sich, “dass schon allein der egoistische Überlebenswille eines Unternehmens dafür spricht, sich seines Umfeldes anzunehmen.” Sogar Großkonzerne wie Nestlé springen inzwischen auf diesen Zug auf. (Quellen: s. “Further Reading”)
Kein Unternehmen agiert also im leeren Raum. Auch die AG, mit der der Fragende verhandelt ist eingebunden in ein Netzwerk aus Mitarbeitern, Dienstleistern, Kunden, Umwelt, Gesellschaft… Aber vielleicht ist die Erkenntnis, dass Gewinnmaximierung allein langfristig keine kluge Strategie ist, noch nicht bis in alle Köpfe vorgedrungen.
Nicht gut. Oder doch. Es ist wie es ist.
Nur: wer ist hier der Mächtige? Schließlich heißt das Hexagramm 34 – Des Großen Macht. Ist die AG “der Große”? Oder der Fragende, der klar weiß, wer er ist?
Shared Value Creation ist gut. Geschäfte, bei denen beide Parteien profitieren und bei denen kein Verhandlungspartner den anderen an die Wand drückt. Was ist Macht? Geld? Moralisches Handeln?
Viele Fragen werden hier aufgeworfen. Viel Inspiration durch Dui, dem sich-Öffnen-für die-Umwelt. Und wenn sich der Fragende der Situation in ihrer Tiefe öffnet, und in sein eigenes Inneres lauscht, vernimmt er den Widerhall der Antwort: Zhen, der Donner, das obere Trigramm. Wenn Zhen sich aus Dui heraus entwickelt, dann hat man die Umwelt, die Situation, den Verhandlungspartner wahrgenommen. Und trifft hieraus eine klare Entscheidung
Die dann in entschlossener Handlung für alle sichtbar wird.
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/777788.htm
Wille und Intention (Yi)
In den Klassikern heißt es, dass Qi (Energie) dem Yi (Absicht) folgt. Wu Wei bedeutet in diesem Zusammenhang, mit Intention oder in Intention zu sein, jedoch nicht, gar nichts zu tun.
Energie (Qi) folgt also unserem Bewusstsein/Absicht/Intention (Yi) und manifestiert sich dadurch. Alles was ist, hat vorher als Intention existiert.
Intention sollte jedoch keinesfalls mit Wille verwechselt werden:
Wille ist
- zielgerichtet: Wenn ich meinen Willen gebrauche, arbeite ich auf etwas hin, ein von außen aufgesetztes, mehr oder weniger willkürliches Ziel.
- ein Zustand des Tuns: es bedarf einer Anstrengung, das Ziel zu erreichen.
- zukünftiges Sein: Wille projiziert in die Zukunft, hat mit dem Wunsch nach Veränderung zu tun….
Intention bzw. Yi (das mit Absicht übersetzt wird)
- ist ein Zustand des absichtsvollen Seins
- ist ein Zustand des Erlaubens, des Zulassens
- ermöglicht es der Energie zu fließen und begleitet sie auf ihrem Weg (der natürliche Zustand von Energie ist der des Fließens).
- gibt der Energie eine Richtung
- ist gerichtetes Bewusstsein.
Wie bringe ich also konkret Energie in meine Linke Hand? Indem ich mir meiner linken Hand bewusst bin. Ich richte all meine Empfinden auf meine linke Hand und die Energie wird diesem Bewusstsein folgen. Wichtig ist, dass ich mein Empfinden auf die linke Hand richte, nicht meinen Willen. Es bedeutet nicht einmal, an die Hand zu denken. Denn… wenn ich “Hand, Hand, Hand” denke… bin ich im Kopf. Dadurch steigt noch mehr Energie in den Kopf, wo ohnehin meist schon zu viel ist. Das wollen wir verhindern. (1)
Dieser Artikel ist eine Zusammenfassung des Kapitels “Die Qualität der Intention” aus Martin Schmid, Taiji – die innere Kraft von Himmel und Erde
(1) Martin Schmid, Taiji – die innere Kraft von Himmel und Erde (Ahlerstedt: Param Verlag, 2002), Seite 117 ff.
Wang Bi: Die Bilder gehen aus den Ideen hervor.
Die Bilder gehen aus den Ideen hervor. Die Worte machen die Bilder klar. Um die Ideen vollständig auszudrücken, gibt es nichts Besseres als die Worte. Die Worte sind aufgrund der Bilder entstanden. Daher kann man die Bilder schauen, indem man die Worte untersucht. Die Bilder werden von den Ideen beherrscht. Daher kann man die Ideen schauen, indem man die Bilder untersucht. Die Ideen werden durch die Bilder vollständig erfasst und die Bilder durch die Worte klar gemacht. Daher haben die Worte den Zweck, die Bilder zu erklären; hat man die Bilder erfasst, so vergisst man die Worte. Die Bilder haben den Zweck, die Ideen zu erkunden; hat man die Ideen erfasst, so vergisst man die Bilder.
Ebenso hat das Verfolgen der Spur eines Hasen den Zweck, seiner habhaft zu werden. Hat man ihn gefasst, so vergisst man die Spur. Die Fischreuse hat den Zweck, der Fische habhaft zu werden. Hat man sie gefasst, so vergisst man die Reuse.
Nun denn, so sind die Worte die Spur zu den Bildern. Die Bilder sind die Reuse für die Ideen. Wer daher bei den Worten stehenbleibt, wird nicht die Bilder erfassen, und wer bei den Bildern stehen bleibt, wird nicht die Ideen erfassen. (1)
Wang Bi bezieht sich mit diesem Zitat auf das I Ging, das chinesische Buch der Wandlungen. Der Ansatz, dass es Ideen gibt, die allen Dingen zugrunde liegen, ist aber keine chinesische Erfindung, er taucht auch früh in der europäischen Philosophie auf. Platons Ideenlehre z. B. geht von urbildhafte Prinzipien aus, die real existieren und unveränderlich sind, die man aber dennoch nicht direkt sinnlich wahrnehmen kann:
In schroffem, unausgeglichenem Gegensatz stehen sich gegenüber das reine, schlechthin unwandelbare Sein der Idee, und das fortwährend wechselnde, auf alle Weise sich verhaltende Pseudo-Sein der Erscheinung: jenes das Sein, welches immer ist, dieses “umhergetrieben vom Werden und Vergehen. (2)
Während über den urbildhaften Ideen bei Platon als höchste Instanz das “Gute” (agathón) steht, sind die 64 unveränderlichen Bilder des I Ging aus der Einheit, dem ewigen Dao, entstanden. Für unseren Kulturkreis neu ist, dass wir mit dem I Ging, dem Buch der Wandlungen, eine Hilfsmittel gereicht bekommen, mit dem wir uns den abstrakten, allen Dingen zugrunde liegen Ideen annähern können.
Wang Bi geht jedoch noch einen Schritt weiter – und hier wird sein Ansatz revolutionär: man kann und soll dieses Hilfsmittel (die Spur des Hasen, die Fischreuse, das I Ging), zur Seite legen, sobald man die Ideen erfasst hat.
Das I Ging ist in der überlieferten Form als Textus receptus, einer der in Stein gravierten kanonischen Schriften Chinas, weit verbreitet. 1972 wurde jedoch in Mawangdui, China, eine Grabbibliothek entdeckt, die u. a. eine Abschrift des I Ging enthält, die weitaus älter ist und zu ca. 25 % vom Textus receptus abweicht.
Wang Bis Kommentar greift im Grunde einem Konflikt vor, der heute, nach dem Fund von Mawangdui, sehr aktuell ist: welche Bedeutung hat das Buch an sich, seine Struktur, die Formulierungen und Worte, die Reihenfolge der einzelnen Hexagramme?
Wang Bi sagt, sie sind lediglich ein Hilfsmittel, das uns den Weg zu den unveränderlichen Ideen weisen sollen – und löst damit den Konflikt auf elegante Weise.
Dominique Hertzer, eine deutsche Wissenschaftlerin, die das Mawangdui-Yijing [I Ging] äußerst sorgfältig übersetzt und analysiert hat, schließt ihre Untersuchung so auch mit folgenden Worten:
Betrachtet man das Mawangdui-Yijing und die überlieferte Version schließlich als Ausdruck einer Idee, die dem Menschen Einblick in die sich zyklisch wiederholenden Gesetzmäßigkeiten des kosmischen und menschlichen Geschehens gewährt, damit der durch die Kenntnis der Wandlungsprozesse in der Vergangenheit und die Bestimmung der eigenen Position in der Gegenwart seine Zukunft selbst zu gestalten vermag, zeigt der Grabfund von Mawangdui nicht nur neue, bisher verborgene Perspektiven des Überlieferten Yijing auf, sondern taucht auch die alten, bereits bekannten Aspekte in ein neues Licht… (3)
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Wang Bi (chin. 王弼 / 王弼, auch Fu Si (辅嗣); * 226; † 249), chinesischer Philosoph
Platon (altgr. Πλάτων Plátōn, latinisiert Plato; * 428/427 v. Chr.; † 348/347 v. Chr.) antiker griechischer Philosoph
(1) Georg Zimmermann, I Ging – Das Buch der Wandlungen, 1. Aufl. (Patmos, 2007), S. 64 und Anmerkung Nr. 14.
(2) Wikipedia: Ideenlehre
(3) Hertzer, Dominique. Das alte und das neue Yijing. Die Wandlungen des Buches der Wandlungen. München: Diederichs, 1996, S. 204
61 – innere wahrheit
Februar 2012: Kaum hatte ich den Text für Zeichen 62 – des Kleinen Übergewicht zu Ende geschrieben, erreichte mich auch schon die nächste Zuschrift. Ein Nutzer hatte folgendes Anliegen: “Warum kommt in mir dauernd die Frage nach dem Sinn meines Lebens hoch, wenn die Frage doch scheinbar keinen Sinn macht und ich mich nur im Kreis drehe?” Die Antwort des I Ging: 61 – Innere Wahrheit
Ja, der Sinn. Was ist eigentlich der Sinn des Lebens? Unser Leben natürlich!
Dieses Leben, in das wir so oft hinausrufen, ohne dass uns tatsächlich völlig klar ist, was wir da von uns geben. Und von dem wir beständig Antworten erhalten, die uns zurückspiegeln, was wir ursprünglic!h gerufen hatten…
Die beiden Zeichen – 62 – des Kleinen Übergewicht und Zeichen 61 – Innere Wahrheit sind ebenfalls Spiegelbilder: der Yin-Strich des einen verkehrt sich in den Yang-Strich des anderen. In Zeichen 62 – des Kleinen Übergewicht geht es um Loslassen und die Rückbesinnung auf uns selbst, um aus dieser Position heraus zu wachsen und schließlich zu Handeln.
Zeichen 61 – Innere Wahrheit hingegen beginnt mit… Annehmen. Dui, das erste Trigramm (der See), bedeutet, die Grenze unseres Selbst zu öffnen und uns dem Wechselspiel von Aufnehmen (das Außen/die Umwelt dringt in unser Inneres) und Abgeben (wir drücken unser Inneres nach Außen hin aus) vertrauensvoll hinzugeben.
Dui ist zugleich das Yin-Trigramm der Wandlungsphase Metall, zu der auch der Funktionskreis (Meridian) Lunge gehört. Und unser Atmen ist die praktische Umsetzung des Prinzips Dui: aufnehmen und abgeben.
Die Lunge ist unser größtes Kontaktorgan (Hautoberfläche: 1,5 bis 2 m² vs. Oberfläche der Lungenbläschen: 80-120 m²), über das wir beständig mit unserer Umwelt kommunizieren. Unsere Lunge bildet eine Grenze zwischen uns und unserer Umwelt. Mit jedem Atemzug öffnen wir diese Grenzen, um nicht-Selbst in uns aufzunehmen, und mit jedem Ausatmen geben wir Selbst an Umwelt ab.
Und so wie unser Atem die Grundlage unseres Lebens ist, ist wohl das Einatmen und Ausatmen – im konkreten wie im übertragenen Sinne – der Sinn.
Zeichen 62 – des Kleinen Übergewicht beginnt mit Loslassen – und in Zeichen 61 – Innere Wahrheit haben wir wohl bereits losgelassen. Nun halten wir unsere leeren Hände bereit um… etwas Neues zu empfangen. Etwas, das uns idealerweise nährt und erfrischt, etwas, das uns mit lebensnotwendiger Substanz versorgt.
Je nach persönlichem Reifegrad sind wir dabei mehr oder minder vorbehaltlos. Beginner’s mind, die Haltung des Anfängers (oder Shoshin im Zen Buddhismus) fällt mir dazu ein: offen, neugierig, ohne jedes Vorwissen oder Vorurteil. Bereit, sich vollkommen auf das Studienobjekt einzulassen. Kinder haben diese Haltung manchmal – und spirituelle Meister.
Ja, was begegnet uns eigentlich da draußen im Leben? Allein dies wahrzunehmen macht schon ziemlich viel Sinn…
Aus Dui, sich öffnen, empfangen, wahrnehmen, erwächst im weiteren Verlauf des Hexagramms Handlung (Zhen, der Donner; erstes Kernzeichen) und Entscheidung. Und wenn man sich entscheidet, dann scheidet man die Dinge – in das was ist und was man behält – und jenes was man loslässt (Gen, der Berg, zweites Kernzeichen). Und so kommt man schließlich wieder zurück zu dieser innige Verbundenheit mit dem eigenen Selbst, aus der inneres Wachstum (Sun, der Baum/Wind; oberes Trigramm) entsteht.
In den I Ging-Texten, die 1972 in Mawangdui (China) gefunden wurden, wird dieses Hexagramm Zhong Fu – Rückkehr der Mitte – genannt. Man kann diesen Titel formal deuten: das Zeichen hat eine leere Mitte und ist somit eine Art Schwarzes Loch. Aber ich finde, auch in seiner bildhaften Bedeutung macht dieser Titel Sinn: die Rückkehr in unsere eigene Mitte.
Bildworte und Urteil hingegen helfen dieses Mal wenig dabei, das Hexagramm zu verstehen. Vielleicht liegt es daran, dass in manchen Hexagrammtexten geheime (weil revolutionäre oder kritische) politische Botschaften verklausuliert wurden.
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/778877.htm
62 – des kleinen übergewicht
Dezember 2011: Eine Nutzerin hat folgende Frage: “Ruft er an, weil er immer noch die gleichen Gefühle hat wie ich? Ruft er nur aus Freundlichkeit an? Ruft er an, weil er mich genauso vermisst wie ich ihn? Empfindet er noch immer etwas für mich?” Die Antwort des I Ging lautet 62 – des Kleinen Übergewicht.
Inzwischen ist es Februar. Ich hatte zwar bereits im Dezember ein vages Gefühl für die Antwort, aber ich wollte sie noch nicht in Worte fassen. In den letzten Wochen habe ich viel über ein bestimmtes (Taijiquan-)Prinzip gelernt. Dieses Lebens- und Wirkprinzip wirklich zu verstehen ist ein Schlüssel für mich um das Zeichens 62 – des Kleinen Übergewicht zu verstehen.
Wie hängen Yin und Yang eigentlich zusammen? Es sind Gegensätze, ja. Yin, das Zusammenziehende, das Sinken, die Bewegung, die sich der Schwerkraft hingibt, und Yang, das Dynamische, das Wachsende, die Bewegung, die sich zum Himmel streckt. Yin wird zu Yang – das ist das (Grob-)Muster dieses Hexagramms. Aus anfänglichem Loslassen wird klare Entschlossenheit.
Aber zunächst geht es ums Loslassen (Gen, der Berg; unteres Trigramm). Und genau damit haben wohl die meisten Menschen Schwierigkeiten. Wir kleben einfach zu gerne an Dingen und Denkweisen. Sie geben uns Sinn, stiftet unsre Identität – und dann sollen wir etwas loslassen? Wir fürchten gähnende Leere, Sinn-losigkeit, Identitätsverlust. Und sind doch aufgefordert, uns all dem auszusetzen. Wozu?
Die Erfahrung, die ich in den letzten Tagen im Taijiquan-Unterricht gemacht habe, ist, dass das Loslassen, das Sinken in die Wurzel, der Rückzug am Anfang einer Bewegung steht. Denn meinem maßvollen (= meinem beabsichtigten Ziel angepassten) Loslassen folgt tatsächlich müheloses und zugleich kraftvolles Wachsen. Als gäbe es eine Kraft, die mich bei meiner Bewegung nach oOben unterstützt. Als sei der Erdboden eine Art Trampolin, das mich nach oben trägt.
Diese Körpererfahrungen des Tajiquan-Unterrichts repräsentiert ein Wirkprinzip, das für unser gesamtes Leben gilt: Sinken und Loslassen – um dann mühelos zu wachsen. Als sei der Urgrund unserer gesamten menschlichen Existenz ein einziges, elastisches Trampolin. Und was passiert wohl, wenn wir bei einem Trampolin immer “oben” bleiben wollen? Dann hebt es uns auch nicht…
Und so beginnt das Hexagramm 62 – des Kleinen Übergewicht mit der Einladung, loszulassen (Gen, der Berg; unteres Trigramm). Im Fall der Nutzerin sind das vielleicht die vielen Fragen, die sich ausschließlich um die Befindlichkeit eines anderen Menschen drehen. Und die völlig vergessen lassen, das es auch ein Subjekt gibt, nämlich sie selbst. Wie fühlt sie sich eigentlich? Und was wünscht sie?
Sogar wenn es klare Antworten zu den vor ihr gestellten Fragen gäbe (“Ja, er liebt dich!” – “Nein, er will nur freundlich sein!“), was würden die bedeuten? Entscheidungen, die sie aufgrund dieser Antworten treffen könnte (“Er liebt mich – also gehe ich zu ihm!“…) wären keine wirklich freien Entscheidungen, denn: was ist eigentlich mit ihr selbst (“Liebe ich ihn überhaupt? Reichen meine Gefühle für eine ernsthafte Beziehung?“)?
Insofern ist der Hinweis des I Gings, nämlich erst einmal Loszulassen, ein sehr weiser Rat. Die Haltung, sich auf das Hier-und-Jetzt zu konzentrieren, wird auch in den Bildworten angedeutet: “So legt der Edle im Handeln das Übergewicht auf den Respekt, er legt bei Trauerfällen das Übergewicht auf die Trauer und legt bei Ausgaben das Übergewicht auf die Sparsamkeit.” Das klingt fast wie der Ausspruch des Zen-Meisters, der sagt: “Wenn ich Tee trinke, trinke ich Tee, und wenn ich meditiere, meditiere ich.” Und die Nutzerin? Ist die Nutzerin – mit ihren eigenen Gedanken, Gefühlen, Wünschen.
Aus Gen (der Berg; unteres Trigramm) entsteht in der weiteren Entwicklung des Hexagramms Sun (der Baum/Wind; erstes Kernzeichen): ein Wachstumsimpuls, der aus dem eigen Zentrum kommt. Jetzt, da wir unserem eigenen Inneren Aufmerksamkeit geschenkt haben und wieder mit unserem Wesenskern verbunden sind, kommt etwas – ganz mühelos! – in Bewegung. Und tritt ans Licht, wird sichtbar, beginnt, sich in der Welt zu manifestieren: Sun wird zu Dui (der See; zweites Kernzeichen). Dui repräsentiert die Öffnung vom Innen ins Außen. Es erlaubt dem Außen/der Umwelt, nach Innen zu dringen und Innerem, sich nach Außen hin auszudrücken. Es geht um ein aufmerksames Lauschen auf den Widerhall der eigenen Handlungen/Gefühle/Ansprüche, während frische Impulse aus der Umwelt zu uns dringen.
Das Hexagramm mündet in Zhen (der Donner; oberes Trigramm): eine Entscheidung, die schließlich nach Außen drängt und dort durch klare Handlung für alle sichtbar wird.
Georg Zimmerman weist in seiner Übersetzung darauf hin, dass der Originalwortlaut des Gesamtcharakters des Zeichens folgendermaßenlautet: “Kleines Guo ist Guo.” Guo kann dabei sowohl “Übergang” als auch “Übergewicht” heißen. Seine Übersetzung des Gesamtcharakters lautet insofern: “Des Kleinen Übergewicht bedeutet einen Übergang.”
Halten wir uns vor Augen, welche Entwicklungsschritte das Hexagramm vorzeichnet: eine relativ kleine Handlung – ein einfaches Loslassen, ein winziger Perspektivwechsel (nicht mehr die Befindlichkeit es Freundes, sondern die eigene Befindlichkeit steht im Zentrum der Aufmerksamkeit) – führt zu einer großen Veränderung (plötzlich entstehen aus der eigene Befindlichkeit Entschlüsse und Handlungen). Macht das nicht den chinesischen Originalwortlaut verständlich? Kann man diese Entwicklung – der Flügelschlag eines Schmetterlings löst eine Lawine aus – besser ausdrücken als “Kleines Guo ist Guo?”
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/887788.htm
November 2010:
Was brauche ich nicht mehr?
Umschauen. Anfangen.
Der Intuition folgen -
und mehr und mehr Dinge loslassen.
Freiraum schaffen.
HandlungsSPIELraum
schaffen.
Pulsqualität Feuer
Hong Mai = der überflutende Puls
Hong heißt auch: Überschwemmung, Überfluß, unermeßlich, groß, ein Superlativ, große Wellen, Sintflut
“Ein Puls, der mit einer mächtigen Woge herankommt, aber dessen Abebben schwach ist, heißt Hong Mai = überflutender Puls. Er ist wie eine Meereswelle, die mit Macht an den Strand schlägt, aber sich leise und ruhig zurückzieht.” (1) [In der klassischen Akupunktur kontrolliert die Wandlungsphase Wasser die Wandlungsphase Feuer; die Schulmedizin erkennt einen Zusammenhang zwischen Nierenschwäche (Wasser) und Herzproblemen (Feuer).]
Interessant ist an diesem Bild, dass der pathologische Feuer-Puls mit der Kraft von unkontrollierten Wasser erklärt wird. (2)
(1 ) Aus dem Pulsbuch Bin Hu Mai Xue von Li Shi Zhen (ca. 1368-1644 n. Chr.)
(2) Udo Lorenzen, Die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin. Band 4. Wandlungsphase Feuer (München: Müller & Steinicke, 1998), S. 138
59 – die auflösung
Juni 2011: Eine Nutzerin befragt das I Ging bezüglich ihrer unternehmerischen Konstellation: sie hat das Gefühl, dass es an der Zeit sei, die Gesellschaftsform, die lange Zeit gut zu ihren Projekten gepasst hatte, zu ändern, da sie sich in Zukunft auf eine andere Zielgruppe konzentrieren will.
Die Befragung des I Gings ergibt das Zeichen 59 – die Auflösung. Der Titel des Zeichens, Auflösung, verwirrt sie: bedeutet das Zeichen etwa, dass sie erst die alte Firma abwickeln soll, um dann, tabula rasa, in neuer Konstellation zu beginnen?
Wir schauen uns das Zeichen 59 – die Auflösung gemeinsam an. Am Anfang steht Kan (unteres Trigramm; das Wasser) und weist auf unseren eigenen Urgrund, unser eigenes Unbewusstes hin. Doch woraus genau besteht dieser Urgrund? Ich glaube, es ist wichtig zu verstehen, dass wir alle in ein Netzwerk mentaler Felder eingebunden sind, die unser Handeln bestimmen. Unser Urgrund ist eine Art weises Destillat eigener – und manchmal fremder – Erfahrungen und Informationen, die meist jenseits unseres Tagesbewusstseins liegen. Vielleicht ist “Bauchgefühl” ein gutes Konzept, um diesen Pool zu beschreiben, aus dem sich – so man es zulässt – Impulse und Inspirationen lösen, die unser Handeln initiieren können.
Und genau dies passiert hier: in der Folge wandelt sich Kan zu Zhen (erstes Kernzeichen; der Donner), einem Zeichen das für Entschlusskraft und die entschlossene Umsetzung der getroffenen Entscheidungen steht. Da sich Zhen aus Kan heraus entwickelt, ist es hier wohl tatsächlich ratsam, auf das eigene Bauchgefühl zu vertrauen: welcher Weg fühlt sich richtig an? Unserem Bauchgefühl stehen schließlich – jenseits von Sprache – viel mehr Informationen zur Verfügung als dem schärfsten Intellekt. Und eine Bauchentscheidung aus der heraus sich Aktion initiiert, weist meist viel größere Weisheit und Festigkeit auf als eine reine Kopfentscheidung.
In der Folge wandelt sich Zhen weiter zu Gen (zweites Kernzeichen; der Berg): aus der initialen Entscheidung entsteht Loslassen und Auflösen. Tatsächlich handelt es sich bei einer derartigen Zeichenabfolge meist um kein aktives, willenhaftes Loslassen. Vielmehr existiert das Alte (das Verwelkte, die alte Struktur) zunächst weiter und löst sich erst im Lauf der Zeit langsam auf, während die neue Struktur bereits wächst. Das Alte wird quasi vom Neuen überwuchert und dadurch aufgelöst, absorbiert und/oder integriert. Um auf die anfänglichen Bedenken der Nutzerin zurückzukommen: nein, es ist wohl definitiv nicht so, dass sie erst völlig reinen Tisch machen muss, bevor sie ihre neuen Unternehmungen beginnt. Viel mehr sollte sie die alte Form ruhig noch ein wenig weiterlaufen lassen, während sie bereits in der neuen Gesellschaftsform auftritt.

Aus Gen wird schließlich Sun (oberes Trigramm; der Wind/Baum), ein sanft anmutendes, aber sich tatsächlich unerbittlich verwirklichendes Wachstum, ähnlich einem Baum, der im Lauf der Zeit auch Asphalt durchbricht. Wie stark dieses persönliche und/oder unternehmerische Wachstum letztendlich sein wird, hängt davon ab, wie tief die initiale Entscheidung in im eigenen, weisen Urgrund (Kan), dem eigenen Bauchgefühl, verwurzelt ist.
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/878877.htm
22 – die anmut
Juni 2011: Ich habe kürzlich einer Familienaufstellung beigewohnt, in der es um eine unerklärlich starke Anziehung ging, die das Lebensgefüge des Aufstellers in Frage stellt bzw. bedroht. Später befrage ich das I Ging um ein Zeichen für die Gesamtsituation – also von der Ausgangskonstellation bis zur gelöste Endstellung – zu erhalten. Als Antwort bekam ich Zeichen 22 – die Anmut.
Am Anfang des Zeichens 22 – die Anmut stehen Li (unteres Trigramm; das Feuer) und Kan (erstes Kernzeichen; das Wasser). Diese beiden Trigramme finden sich auch im Zeichen 63 – nach der Vollendung und gelten als ideale Kombination: das Feuer (unten) wärmt das Wasser (oben). Psychologischer könnte man vielleicht sagen, dass Li und Kan einen Prozess darstellen, bei dem intellektuelle Klarheit tief in die Persönlichkeit integriert wird, sich Kopfwissen also zu tief wurzelndem Bauchwissen wandelt.
Tatsächlich ist der Aufsteller verwirrt über seine Gefühle, die sehr präsent aber auch unerklärlich sind. Feedbacks von Repräsentanten tragen nur weiter zur Verwirrung bei. Erst als die Möglichkeit einer Projektion in die Betrachtung einfließt und diese dann personifiziert und genauer untersucht wird, lichtet sich das Dunkel. Li (unteres Trigramm; das Feuer) wandelt sich zu Kan (erstes Kernzeichen; das Wasser), die genauere Untersuchung der Projektion macht die anfangs verwirrenden Bauchgefühle plötzlich verständlich und nachvollziehbar.
Aus diesem tiefen Erkennen eigener, teilweise unbewusster Beweggründe (Kan) ergeben sich zwingende Konsequenzen – und hier ist rückblickend für mich besonders interessant, den Ablauf der Trigramme detailliert zu betrachten. Von der Aufstellung blieb mir als nächster Schritt im Ablauf vor allem das Abschiednehmen (Gen) in Erinnerung. Tatsächlich entwickelt sich Kan aber zunächst zu Zhen (zweites Kernzeichen, der Donner), ein Zeichen, das für Urteils- und Entscheidungsvermögen und für die entschlossene Umsetzung der getroffenen Entscheidungen steht. In der Familienaufstellung werden an dieser Stelle Grenzen gezogen und Lebensbereiche voneinander getrennt, die lange Zeit unheilvoll miteinander verflochten waren.
Den Abschluss des Zeichens 22 – die Anmut bildet schließlich der Übergang Zhen-Gen (oberes Trigramm; der Berg): erst nach der Grenzziehung folgt Loslassen und Abschiednehmen. Tatsächlich war die vom Aufsteller übermächtig empfundene Anziehung Höhepunkt eines nicht genommenen Abschiedes, der sein Leben über viele Jahre geprägt hatte.
Die Grenzziehung (Zhen), die die zwei unheilvoll miteinander verbunden Wirklichkeiten endlich trennt, hält für den Aufsteller die Aufgabe bereit, jetzt endlich all jene Gefühle, Gedanken und Bindungen loszulassen, die für sein Leben schon längst alle Relevanz verloren haben.
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/787887.htm
49 – die umwälzung
Juni 2011: Ich habe kürzlich einer Familienaufstellung beigewohnt, in der es um Partnerschaft ging. Ich befragte später das I Ging um ein Zeichen für die Gesamtsituation – also von der Ausgangskonstellation bis zur gelöste Endstellung – zu erhalten. Als Antwort bekam ich Zeichen 49 – die Umwälzung (die Mauserung).
Am Anfang des Zeichens 49 – die Umwälzung steht Li (das Feuer; unteres Trigramm). Li steht für Klarheit, also für die Fähigkeit, das Wichtiges von Unwichtigem zu unterscheiden, Tatbestände zu differenzieren und sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Erstaunlicherweise ändert sich der Fokus der Familienstellung recht bald im Prozess: ist es anfangs um die Erfolgsaussichten für einen neue Partnerschaft gegangen, kristallisieren sich bald mehrere, nicht abgeschlossene Trauerfälle in der Familie als Fokus heraus.
Im Zeichen 49 – die Umwälzung entwickelt sich Li zu Sun (der Wind/Baum; erstes Kernzeichen), einem Zeichen, das für Wachstum steht. Als der Aufsteller explizit Abschied von den Verstorbenen nimmt, bringt dies auf vielerlei Ebenen und für viele der eingebundenen Personen spürbare Erleichterung. Die Aufstellung beginnt sich zu lösen. Denn indem sich der Aufsteller von den in seiner Familie herrschenden Mechanismen (nicht gelebte Trauer; Ersatzpartnerschaft) löst, kommt er seiner persönlichen Ganzwerdung einen Schritt näher.
Aus Sun entsteht in der Folge Qian (zweites Kernzeichen; der Himmel): das Resultat des Wachstumsprozesses, der Emanzipation von familiären Mustern, ist eine größere persönliche Vollständigkeit, ein Selbst, das idealerweise ein hohes Maß an Klarheit und Kohärenz aufweist.
Im abschließenden oberen Trigramm Dui (der See) antwortet das Zeichen 49 – die Umwälzung schließlich auf die ursprüngliche Frage des Aufstellers: wie stehen die Chancen für eine neue Partnerschaft? Dui steht für die Öffnung nach Außen, für das Wechselspiel von Aufnehmen (das Außen/die Umwelt dringt in unser Inneres) und Abgeben (wir drücken unser Inneres nach Außen hin aus). Dui lädt dazu ein, die Grenze des Selbst zu öffnen, das Außen, das Du hereinlassen: unabdingbare Grundlage für jede funktionierende (neue) Partnerschaft.
Als ich das Zeichen 49 – die Umwälzung vor dem Hintergrund der oben angesprochenen Familienaufstellung analysiere, erstaunt mich zunächst, dass das Trauer und Loslassen im Zeichen nicht explizit thematisiert werden (am passendsten erschiene mir hierfür Gen, der Berg). Später fällt mir jedoch auf, dass die Unfähigkeit zu Trauern ursprünglich gar nicht das Problem des Aufstellers ist, sondern viel mehr andere, in früheren Generationenbeheimatete Familienmitglieder betrifft. Der Aufsteller hat hier lediglich Mechanismen übernommen; seine ureigene Thematik hingegen ist tatsächlich am treffendsten mit Sun und Qian (also persönlichem Wachstum/Emanzipation und Ganzwerdung der Persönlichkeit) charakterisiert.
Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: http://www.no2do.com/hexagramme/787778.htm
Funktionskreise Magen und Milz-Pankreas (Meridiane)
Die zentrale Funktion der Milz in der Assimilation und Integration von Fremdeinflüssen geht weit über die stoffliche Nahrungsaufnahme und -verwerten hinaus. (1)
Die Fähigkeit, rational und zielgerichtet zu denken, hängt… von der Stärke der Milz ab. Die Milz als Instanz der Assimilation und Integration von Fremdeinflüssen hat eine Vielzahl von Einflüssen zu verarbeiten… Nur in dem Maße, in dem sie integriert werden können, nähren sie uns. In dem Maße, in dem sie zurückgewiesen werden, entlasten sie uns. (2)
Hinter all diesen geistigen Aktivitäten steckt die Milz als Basis. Wenn die Milz stark ist, ist das Denken klar und logisch, das Konzentrationsvermögen und Gedächtnis gut, die Ideen fließen zielgerichtet… (3)
Die Milz beherrscht Umwandlung und Transport.
Die Milz ist zuständig für den Stoffwechsel, also die Umwandlung körperfremder Energien in körpereigenes Substrat… (4)
Auf der geistig-emotionalen Ebene geschieht hier [im Magen] in dieser Assimilationsstufe die erste Vermengung eigener mit fremden, von außen kommenden Energien. Es ist der erste Kontakt, und es entscheidet sich hier, ob man etwas “mag” oder nicht, ob man sich überhaupt so intensiv mit jemandem/etwas beschäftigen will, dass man ihn/es in sich aufnehmen, sprich: herunterschlucken will. (5)
(1), (2), (3), (4) Udo Lorenzen, Die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin, Bd. Erde, 3 (München: Müller & Steinicke, 1996), S. 11 – 15, 98/99, 145, 176
