{"id":100,"date":"2019-08-24T18:07:00","date_gmt":"2019-08-24T16:07:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.no2do.com\/synopse\/?p=100"},"modified":"2025-07-07T17:33:29","modified_gmt":"2025-07-07T15:33:29","slug":"06-der-streit","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/archives\/100","title":{"rendered":"06 &#8211; der streit"},"content":{"rendered":"<div class=\"wp-block-image\">\n<figure class=\"alignleft size-full has-lightbox\"><a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/hexagramme\/878777.htm\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" width=\"200\" height=\"336\" src=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/878777.png\" alt=\"\" class=\"wp-image-10168\" srcset=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/878777.png 200w, https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/878777-179x300.png 179w, https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/wp-content\/uploads\/2024\/09\/878777-89x150.png 89w\" sizes=\"auto, (max-width: 200px) 85vw, 200px\"><\/a><\/figure>\n<\/div>\n\n\n<p><a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/glossar\/hexagramm\" target=\"_self\" title=\"Ein Hexagramm setzt sich aus jeweils zwei Trigrammen zusammen, wobei die Bewegung, &auml;hnlich dem Wachstum einer Pflanze, von unten nach oben verl&auml;uft: das Hexagramm wird von unten her aufgebaut (z. B. bei der Divination\/beim Orakel) und sp&auml;ter auch entsprechend gelesen. Weiterlesen: Aufbau eines Hexagramms Weiterlesen: &Uuml;bersichtsseite Hexagramme\" class=\"encyclopedia\">Hexagramm<\/a> <em>6 &ndash; der Streit<\/em> scheint ein eher unbeliebtestes Hexagramme zu sein, denn lange Zeit erhielt ich keinerlei R&uuml;ckmeldungen zu dieser Antwort den <a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/glossar\/i-ging\" target=\"_self\" title='Das I Ging (chin. &#63968;&#32147;, y&igrave; jing, W.-G. I Ching, auch: I Jing, Yi Ching, Yi King; \"das Buch der Wandlungen\") basiert auf Kosmologie und Philosophie des alten China, speziell dem Daoismus (Taoismus). Grundideen des I Ging sind eine Ausgewogenheit der Gegenteile und ein Akzeptieren der Ver&auml;nderung. Das Buch beschreibt die Welt in 64 Bildern,&hellip;' class=\"encyclopedia\">I Ging<\/a>. Jetzt hat sich das Blatt gewendet und ich habe einige Fragestellungen zugesandt bekommen.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading hexagrammseite\">Fragestellungen<\/h2>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>Ein Nutzer schildert seine Situation und seine Frage an das I Ging folgenderma&szlig;en: &bdquo;Kann uns der Rechtsanwalt bei der L&auml;rmbel&auml;stigung durch die W&auml;rmepumpe des Nachbarn helfen? Wir verhandeln seit zwei Jahren mit diesem Nachbarn und auch mit der Gemeinde. Das durch einen gerichtlich beeideten Sachverst&auml;ndigen erstellte Akustikgutachten wird nicht beachtet. Inzwischen ist es nahezu unm&ouml;glich, in unserem Haus zu wohnen und wir haben bereits gesundheitliche Sch&auml;den davongetragen.&ldquo;<\/li>\n\n\n\n<li>Eine Nutzerin stellte dem I Ging die Frage &bdquo;Warum habe ich hier keine Freunde?&ldquo; und erh&auml;lt als Antwort Hexagramm <em>6 &ndash; der Streit<\/em>. Sie erl&auml;utert auch die Hintergr&uuml;nde ihrer Frage: &bdquo;Ich bin vor kurzem ins Allg&auml;u gezogen. Und ich bin in eher tiefsinniger Mensch, meine Freundschaften brauchen einen gewissen Tiefgang. Leider ist auch mein Arbeitsbereich (Umfeld Gesundheit\/<a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/glossar\/heil\" target=\"_self\" title='Zentraler Begriff der traditionellen Interpretation des I Ging. Bedeutung: positiver Ausgang, weil das Handeln im Einklang mit dem Dao geschieht (vgl. auch das dt. Wort \"Heilung\")' class=\"encyclopedia\">Heil<\/a>ung) ein eher einsamer, den nur wenige Menschen wirklich nachvollziehen k&ouml;nnen. Gerade auch deswegen fehlen mir Freundschaften am neuen Ort. Meine letzten Jahre waren von tiefen Krisen gekennzeichnet und schwierig, jetzt m&ouml;chte ich gerne wieder die leichten Seiten des Lebens entdecken. Verweist die Antwort des I Ging auf meine eigenen inneren Konflikte?&ldquo;<\/li>\n\n\n\n<li>Eine weitere Nutzerfrage lautet &bdquo;Wie kann ich f&uuml;r meine Arbeit mehr Aufmerksamkeit und Anerkennung erhalten?&ldquo;<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<h2 class=\"wp-block-heading hexagrammseite\">Einige &Uuml;berlegungen<\/h2>\n\n\n\n<p>Wie dem auch sei, Streit ist ein interessantes Thema. Denn wer hat noch keine Erfahrungen damit gemacht, sei es als aktiv streitende Partei, oder aber auch als passiv-unbeteiligter Beobachter eines Streits anderer?<\/p>\n\n\n\n<p>Was habe ich inzwischen &uuml;ber das Streiten gelernt, innerhalb und au&szlig;erhalb des I Ging? Und wie passt das mit dem <em>Weg des <a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/synopse\/glossar\/dao\" target=\"_self\" title='Dao wird traditionell mit \"der Weg\" wiedergegeben. Es bezeichnet in der daoistischen Philosophie ein ewiges Wirk- oder Sch&ouml;pfungsprinzip, das den Ursprung der Einheit und Dualit&auml;t und damit das Grundprinzip f&uuml;r die Entstehung der Welt darstellt. Das D&agrave;o ist dabei sowohl ein Prinzip der Immanenz (= alles durchdringend) als auch der Transzendenz (=undifferenzierte Leere, Mutter des&hellip;' class=\"encyclopedia\">Dao<\/a><\/em>, der westlich inspirierten Interpretation des I Ging zusammen?<\/p>\n\n\n\n<p>Einer der wichtigsten S&auml;tze, die ich pers&ouml;nlich als Teilnehmerin, als streitende Partei, gelernt habe, ist &bdquo;Ich bin nicht dein Feind!&ldquo; (bzw. &bdquo;Du bist nicht mein Feind.&ldquo;). Denn bei jedem Streit, gerade auch bei den Streitereien mit nahestehenden, geliebten Personen, verfallen wir nur allzu leicht in das Freund-Feind-Schema: Entweder du bist meiner Meinung &ndash; oder du bist mein (feindlicher) Gegner!<\/p>\n\n\n\n<p>Diese Reaktion hat wohl jeder schon einmal an sich selbst beobachtet. Aber ist sie korrekt? Wird aus der geliebten Person, nur weil sie in Bezug auf eine bestimmte Frage anderer Meinung ist als ich, gleich mein &bdquo;Feind&ldquo;? Der Begriff &bdquo;Feind&ldquo; bezeichnet etwas gro&szlig;es, schlimmes, ein <em>Feind<\/em> ist jemand, der mir tats&auml;chlich schaden m&ouml;chte, der meinen Untergang w&uuml;nscht &ndash; ist also dieses gro&szlig;e Wort wirklich angemessen? Oder w&auml;re es nicht korrekter, uns weiterhin als <em>Freunde<\/em> zu bezeichnen, auch wenn wir zu einem bestimmten Thema unterschiedliche, vielleicht auch gegens&auml;tzliche Positionen vertreten?<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist eine hohe Kunst, verschiedene Meinungen unverbunden nebeneinander stehen lassen. Es zuzulassen, dass mein Freund (!) anderer Meinung ist als ich &ndash; und trotzdem mit ihm befreundet zu bleiben. Und, tats&auml;chlich, das Wort &bdquo;Kunst&ldquo; habe ich hier mit Bedacht gew&auml;hlt: Wir bekommen diese F&auml;higkeit nicht in die Wiege gelegt. Wir m&uuml;ssen sie uns erwerben!<\/p>\n\n\n\n<p>Wenn wir diese Kunst jedoch erlernen, sie beherrschen, wenn wir es schaffen, bei uns, bei unserer Position zu bleiben und den uns befremdenden Ansichten unseres Freundes, unserer Freundin trotzdem aufmerksam zuzuh&ouml;ren, den Argumenten zu folgen, die ihm\/ihr bedeutsam erscheinen, dann erhalten wir damit nicht nur unsere Freundschaft (was ja an sich schon ein Gewinn ist), sondern wir haben auch Gelegenheit, eine neue Perspektive auf das Geschehen zu gewinnen. Denn manchmal gibt es in der Position meines Gegen&uuml;bers tats&auml;chlich Punkte, wo er\/sie Recht hat, wo er sie Dinge ber&uuml;cksichtigt hat, &uuml;ber die man selbst noch gar nicht so genau nachgedacht hat. Und aus dem &bdquo;Streit&ldquo; wird ein &ndash; idealerweise f&uuml;r beide Beteiligten &ndash; bereicherndes Gespr&auml;ch.<\/p>\n\n\n\n<p>Die F&auml;higkeit, unterschiedliche, widerstreitende (!) Meinungen unvermittelt nebeneinander stehen zu lassen, macht das Leben leichter. Sie bedeutet, dass wir die Konsens-Doktrin aufgegeben haben, die Verpflichtung, dass es bei einem Disput eine gemeinsame Endnote, ein gemeinsame Position geben muss. Diese Forderung ist manchmal nicht zu erf&uuml;llen &ndash; und das zuzugeben und sich trotzdem die H&auml;nde zu reichen, ist ein gro&szlig;er Schritt vorw&auml;rts. &bdquo;We agree that we disagree.&ldquo; ist in diesem Sinne zu einem gefl&uuml;gelten Wort geworden.<\/p>\n\n\n\n<p>Es ist &uuml;brigens auch ein Missverst&auml;ndnis von Demokratie, dass jede Entscheidung einen allgemeinen Konsens erfordert. Tats&auml;chlich erfordert demokratisches Miteinander, dass alle Parteien und Positionen angeh&ouml;rt werden, dass sie in das gemeinsame Gespr&auml;ch Eingang finden und idealerweise ber&uuml;cksichtigt werden. Aber auch wenn Einzelmeinungen dann bei der finalen Entscheidung vielleicht nicht vollst&auml;ndig zum Tragen kommen oder auch &uuml;berstimmt werden, waren sie doch Teil des demokratischen Prozesses, weil sie ihr Rederecht aus&uuml;ben konnten und die anderen Beteiligten ihnen respektvoll und aufmerksam zugeh&ouml;rt haben.<\/p>\n\n\n\n<p>Diese &Ouml;ffnung des Gespr&auml;chsraums, die Bereitschaft, Menschen mit anderer Meinung zuzuh&ouml;ren und sie ernst zu nehmen, erfordert &uuml;brigens noch etwas, n&auml;mlich die Abkehr vom &bdquo;Vernunftabsolutismus&ldquo;, ein Begriff, den der deutsch-indische Philosoph Ram Adhar Mall gepr&auml;gt hat und der sich damit gegen die Engf&uuml;hrung der zul&auml;ssigen Argumente auf Vernunftargumente wendet.<\/p>\n\n\n\n<p>Man kann Gespr&auml;chsteilnehmer n&auml;mlich mundtot machen, indem man ihnen sagt, ihre Argumente sind nicht zul&auml;ssig, weil sie nicht vern&uuml;nftig sind. Darunter fallen zu Beispiel religi&ouml;se &Uuml;berzeugungen, oder auch einfach nur Intuitionen oder Gef&uuml;hle. &bdquo;Ich will nicht nach XY fahren, weil ich bei der Vorstellung allein schon ein schlechtes Gef&uuml;hl bekomme.&ldquo; &ndash; &bdquo;Ich m&ouml;chte nicht das YZ passiert, weil mein Gott das so nicht erlaubt.&ldquo; Es ist ein Unterschied, wir uns eine derartige Position genauer erkl&auml;ren lassen &ndash; oder aber sie als &bdquo;unvern&uuml;nftig&ldquo; und damit nicht zul&auml;ssig vom Tisch wischen&hellip;<\/p>\n\n\n\n<p>Ja, in Bezug auf Streitkultur gibt es viel zu lernen. Und zu &uuml;ben! Und wenn ich es mir recht &uuml;berlege, dann k&ouml;nnte ich mich fast schon ein bisschen freuen, auf meinen n&auml;chsten Streit, weil er mir doch zeigen wird, wie weit ich meine F&auml;higkeiten inzwischen entwickelt habe.<\/p>\n\n\n\n<p>Also, waren nochmal meine pers&ouml;nlichen Top 3 zum Thema Streit?<\/p>\n\n\n\n<ul class=\"wp-block-list\">\n<li>&bdquo;Ich bin nicht dein Feind!&ldquo;<\/li>\n\n\n\n<li>Wir brauchen keinen Konsens.<\/li>\n\n\n\n<li>Auch unvern&uuml;nftige Argumente sind zul&auml;ssig.<\/li>\n<\/ul>\n\n\n\n<p>Und wenn man sich an dieser Stelle die Interpretation des Hexagramms <em>6 &ndash; der Streit<\/em> ansieht, den &bdquo;Weg des Dao&ldquo; mit seinem Verweis auf die eigene innere Gestimmtheit, dann merkt man, wenn man aufmerksam hinsp&uuml;rt, meist recht schnell, wo der Hase im Pfeffer liegt: Was es ist, das einen daran hindert, dem Gegen&uuml;ber gelassen zuzuh&ouml;ren&hellip; <em>die eigene innere Gestimmtheit<\/em>&hellip;<\/p>\n\n\n\n<p>Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: <a href=\"https:\/\/www.no2do.com\/hexagramme\/878777.htm\">https:\/\/www.no2do.com\/hexagramme\/878777.htm<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Hexagramm 6 \u2013 der Streit scheint ein eher unbeliebtestes Hexagramme zu sein, denn lange Zeit erhielt ich keinerlei R\u00fcckmeldungen zu dieser Antwort den I Ging. 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