19 – die annäherung

Wir öffnen uns dem Außen – und lassen uns inspirieren… Gar nicht so einfach, wenn der Kopf voll ist. Also, noch einmal: wir öffnen uns, machen uns leer und nehmen wahr, unvoreingenommen, neugierig, ohne jedes Vorwissen. Wir hören genau hin, was möchte die Welt uns da mitteilen? Und plötzlich nehmen wir es wahr – und sind inspiriert! Befruchtet, genährt, erfrischt… verbunden mit dem, was uns vorher noch fremd, un-vertraut war. Aus dieser Berührung mit der Welt erwächst eine Entscheidung, der dann eine lange Phase des Wachsens und Materialisierens folgen wird. Vielleicht dauert es einige Zeit, bis wir Ergebnisse sehen. Aber wir müssen nichts tun. Nur vertrauen: unserer Inspiration, unserer Entscheidung.

Fragestellungen
  • Eine Nutzerin stellt folgende Frage, die das I Ging für sie mit Hexagramm 19 – Annäherung beantwortet: „War das nur eine Gedanke… von mir.. oder habe ich wirklich seine Stimme gehört?“
  • Eine Nutzerin fragt: „Was will der Mann, den ich liebe, von mir?“
Fallstudie

Hexagramm 19 – Annäherung beginnt mit Dui, der See als unterem Trigramm. Dui repräsentiert die Öffnung vom Innen ins Außen und vom Außen ins Innen. Es geht um die Grenze zwischen diesen beiden Polen und darum, sie zu überwinden. Konkret heißt das: äußere Inspirationen berührt unser Inneres und wir drücken unser Inneres nach außen hin aus.
Hören gehört zu diesen Bewegungen: Äußeres dringt in unser Inneres und berührt uns. Und auch im Atmen begegnen wir Dui: wir lassen etwas in uns eindringen – neue Atemluft – und geben uns diesem Eindringen vertrauensvoll hin. Um dann wieder etwas aus unserem Inneren – mit unserem Wesen durchtränkten Atem – an die Umwelt abzugeben.
Vielleicht deutet die Unsicherheit der Nutzerin („war das seine Stimme?“) an, dass sie einen leichten Zweifel hegt, ob nun tatsächlich etwas aus der äußeren Welt ihr Inneres berührt hat. Dui bedeutet ein vertrauensvolles Öffnen für die Inspiration der äußeren Welt, die uns un-vertraut, in gewisser Weise vielleicht sogar fremd ist. Aber gerade weil sie uns fremd ist, kann sie uns befruchten, nähren und erfrischen.
Die ideale Haltung für Dui ist, mit leeren Händen bereit zu sein und zu empfangen, was da auf uns zukommt. Offenheit ist gefragt, Neugierde, die Bereitschaft, uns ohne jedes Vorwissen oder Vorurteil vollkommen auf das Un-Bekannte einzulassen. Kinder haben diese Haltung manchmal – und spirituelle Meister.
Aus Dui, sich öffnen, empfangen, wahrnehmen, erwächst im weiteren Verlauf des Hexagramms Entscheidung und Impuls (Zhen, der Donner; erstes Kernzeichen). Das, was uns begegnet ist, löst eine Veränderung in unserem Inneren aus. Etwas kommt in Bewegung, etwas keimt in uns und beginnt zu wachsen.
Diesem Impuls, Zhen, folgt nun eine lange Phase des Wachsens und Materialisierens (Kun, die Erde; zweites Kernzeichen und oberes Trigramm). Und genau das verunsichert uns manchmal: denn das Wachsen geschieht in unserem Inneren, unsichtbar. Doch es findet tatsächlich statt.
Wir sollten diesem Samen, diesem inspirierten Impuls, vertrauen. Ihm Raum und Zeit zu geben, damit er sich in die Welt hinein materialisieren kann. Wir sind es zwar gewohnt, Dinge zu tun, zu agieren, zu handeln, aber diesmal ist es sinnvoll, nichts zu tun. Und zu vertrauen. Unserer Inspiration, unserer Entscheidung.

Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: https://www.no2do.com/hexagramme/778888.htm