48 – der brunnen

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Fragestellungen
  • Ein Nutzer befragt das I Ging bezüglich seiner unternehmerischen Ausrichtung und erhält mehrfach (!) das Hexagramm 48 – der Brunnen. Seine Frage bezieht sich auf Kriterien, nach denen er in Zukunft berufliche und unternehmerische Entscheidungen treffen soll: Soll er sich in Zukunft stärker an konventionellen Kriterien (Sicherheit, Entlohnung) oder an seinen persönlichen Überzeugungen (Ethik Philosophie) und Interessen (Weiterentwicklung, Innovation) orientieren?

Fallstudie

Sun, der Baum, der Wind als unteres Trigramm zeigt ein kraftvolles, gleichmäßiges Hervortreten von Möglichkeiten. Er sollte diese Gelegenheiten nutzen und jetzt unterschiedliche Dinge ausprobieren – in seinem Fall also sowohl konventionelle als auch seinen persönlichen Neigungen mehr entsprechende Projekte durchführen – und dabei aufmerksam auf das jeweilige Feedback seiner Umgebung achten (erstes Kernzeichen, Dui, der See). Fragen wie „Wie entwickelt sich dieses Projekt?“, „Welches Projekt läuft rund, welches hakt?“, „Welche Projekte sind auf den ersten Blick scheinbar lukrativ, doch bei näherem Hinsehen unverhältnismäßig kräftezehrend?“, „Bei welchen Projekten verdiene ich zwar eher weniger, aber es erschließen sich mir neue Kundenkreise?“, „Welches Projekt macht mich… glücklich (und: warum)?“ – können wichtige Hinweise geben.
Unsere Kultur hat ein ziemlich einfaches System entwickelt, um uns unsere Wahl zu erleichtern: was mehr Geld bringt ist besser, wer mehr Geld hat, ist wichtiger, und der Stärkere gewinnt sowieso. Und so lange wir nicht wissen, was wir selbst wirklich wollen, werden wir von unserem Umfeld dazu gedrängt, nach diesem System zu entscheiden.
Doch das entspricht oft ganz und gar nicht unseren eigenen, tiefsten Überzeugungen, unserer eigenen seelischen Verwurzelung. Uns selbst ist letztere aber leider oft unbewusst . Indem wir nun das Feedback, das uns unsere Umwelt gibt, aufmerksam betrachten, können wir Rückschlüsse auf unseren eigenen Urgrund ziehen, denn unser eigenes Inneres, unsere seelische Gestimmtheit wird im Spiegel unserer Umwelt für uns sichtbar.
Li, das Feuer, das zweite Kernzeichen, deutet auf Klarheit, also die Fähigkeit, das Klare vom Unklaren zu unterscheiden. In diesem Fall werden sich durch aufmerksame Beobachtung, wie sich einzelne Projekte entwickeln, allmählich Kriterien herauskristallisieren, die unserem eigenem Wesen wirklich entsprechen. Wenn wir dann in Zukunft nach diesen Kriterien, die wir uns erarbeitet haben, wählen, wird unser Handeln im Einklang mit unseren eigenen Wurzeln steht und nachhaltig erfolgreich sein, da es unsere eigene Verwurzelung stärkt (oberes Trigramm; Kan, das Wasser). So gewinnen wir wiederum mehr (Durchsetzungs-)Kraft.
Der Titel des Zeichens, „Der Brunnen“ und das, was im Urteil angedeutet wird, weist möglicherweise darauf hin, dass man zeitweise sehr wohl entgegen den eigenen, tiefen Überzeugungen handeln kann (also z. B. Projekte durchführen, die den eigenen ethischen Vorstellungen nicht zu 100 % entsprechen). Dadurch wird man seine eigene Verwurzelung nicht ändern („So mag man die Stadt wechseln, doch den Brunnen wechselt man nicht“). Bewegt man sich jedoch dauerhaft in fremden Gefilden, riskiert man, dass die eigene Verwurzelung mit dem Urgrund abreißt – und das ist dann wirklich ein großes Unheil.

Die aktuelle Interpretation finden Sie hier: https://www.no2do.com/hexagramme/877878.htm