Akupunktur, Psyche und das I Ging

Ich erlebte 1983 meine erste Akupunkturbehandlung bei Dr. Ching Y Ting in New York. Seither folgten viele weitere Behandlungen auf unterschiedlichen Kontinenten, mit unterschiedlichen Behandlungskonzepten und -erfolgen. 2010 begann ich damit, mit intensiver mit den theoretischen Grundlagen der klassischen Akupunktur zu beschäftigen.

Von Anfang an machte ich die Erfahrung, dass Akupunktur nicht nur auf meinen Körper, sondern auch auf meine Psyche wirkt. Zwar erörterte ich diesen Effekt mit keinem meiner Behandler näher, doch angesichts der mittlerweile auch wissenschaftlich anerkannten Wechselbeziehung von Körper und Seele erschien er mir nur logisch.

Im Rahmen meiner Studien las ich letztes Jahr das u. g. Buch von Leon Hammer. Der Autor ist Psychiater, machte später eine Ausbildung in Akupunktur und berichtet über seine Erfahrungen mit Akupunktur bei der Behandlung von psychisch Kranken.

In der Akupunktur werden die einzelnen Meridiane einerseits bestimmten Organsystemen zugeordnet, sie repräsentieren zugleich aber auch ganz spezifische psychische Funktionen. Die Dysfunktion eines Organsystems drückt sich immer auch in bestimmten Verhaltensmustern aus. Um nur zwei Beispiele zu nennen: bei übermäßige Wut sollte der Behandler auf den Gallenblasenmeridian achten, bei überexaltierter Freude auf den Herzmeridian.

Das Ziel einer jeden Akupunkturbehandlung ist es, das – vielleicht verloren gegangene – Gleichgewicht wieder herzustellen. Denn sowohl „Wut“ als auch „Freude“ sind natürliche psychische Funktionen des Menschen – solange sie sich in Harmonie mit dem Gesamtsystem befinden und nicht durch überbordende Präsenz das System ins Ungleichgewicht bringen.

In meiner Annäherung an das I Ging möchte ich genau diesen Aspekt beleuchten: es geht nicht darum, eine „Krankheit“ oder einen „Mangel“ festzustellen – sondern einfach nur darum, die Gesamtsituation wahrzunehmen und zu untersuchen, wie die Harmonie weiter verbessert werden kann.

Die Frage hinter jeder möglichen Frage an das I Ging lautet also: wie ist der Mensch, wie die Situation gestimmt? Gibt es ein Ungleichgewicht? Sticht irgend eine Eigenschaft besonders hervor (und ist deswegen etwas anderes besonders schwach ausgeprägt)?

Und, ebenso wie jede intelligente Frage bereits ihre ebenso intelligente Antwort enthält, zeigt uns das Hexagramm in seinen Wandlungen, worauf wir unseren Fokus richten müssen, um das Gleichgewicht der Situation wieder herzustellen.

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Leon Hammer, Psychologie & chinesische Medizin; zukunftsweisende Erkenntnisse über das energetische Zusammenspiel von Emotionen und Körperfunktionen (Sulzberg: Joy-Verl., 2000).

Dieser Post ist auch verfügbar auf: Englisch

10. März 2011 von kus
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