Wandlungsphase Wasser

Wasser ist eine der fünf Wandlungsphasen der Fünf-Elemente-Lehre (Wu Xing), die die Gesetzmäßigkeiten von Naturphänomenen beschreibt. Zur praktischen Anwendung kommt diese Theorie z. B. in der Akupunktur.

Wandlungsphase Wasser | Merdidiane | Pulsqualität

Die Wandlungsphase Wasser entspricht nun im Menschen dem Pflanzensamen in der Natur, der im Winter als Essenz des Jahres bis zum neuen Wachstum im Frühjahr im Boden ruht, das Wertvollste bisheriger Existenz bewahrend. Es ist die [Grundlage der] eigenen wie die kollektive Existenz, der wir unser Wurzeln zu verdanken haben und die uns die Basis gibt für neues Wachstum. Solange wir noch etwas von der Vergangenheit im Gedächtnis haben, solange man sich seiner Wurzeln bewusst ist, kann man hieraus auch die Kraft für das Leben schöpfen. Es ist eine Kraft, die die sprunghafte, explosive Energie des Holzes am Boden hält und die vor übermäßiger Aktivität bewahrt und durch diese Bindung auch gleichzeitig das Ziel der Wandlung – nicht die Aktivität, das Tun an sich, sondern die Gewinnung grundlegender neuer Ressourcen – im Auge hält.
Lorenzen 2000, 45

Wasser ist aktuelle Struktivität, ist Ruhe, überlegter Krafteinsatz und stilles Wirken im Lassen Wu Wei.
Lorenzen 2000, 199

Meridiane und Pulsqualität

Zur Wandlungsphase Wasser gehören zwei Meridiane: Niere (Ni) und Blase (Bl), wobei v. a. Niere für unsere Untersuchungen relevant ist. Nachfolgend einige Zitate.

Die Funktionskreise Niere und Blase

Auf der geistig-emotionalen Ebenen ist dieses die Fähigkeit des Menschen, seine innere Verbindung zur Umwelt herzustellen. Es ist das Verspüren, das Empfinden, was […] uns die Grenzen des eigenen Feldes vermittelt. Die Niere lässt dieses Gespür weit nach innen dringen. Sie vermittelt uns einen inneren Bezug, meine ganz persönliche Betroffenheit durch diese Empfindungen. Sie lässt eine Tiefe entstehen, aus der die Ahnung einer umfassenden kosmischen Wahrheit erwachsen kann […] und uns Kraft gibt für den Fortgang des Lebens. Lorenzen 2000, 254

Die Ohren öffnen sich nach außen – aber sie lassen Impulse in unser tiefstes Inneres vordringen […] Das Hören und der Gleichgewichtssinn […] geben uns die Orientierung im Raum. Lorenzen 2000, 257

Die Niere – und mit ihr die Wandlungsphase Wasser – speichert das Grundsätzliche, das Wesentliche, Stabile und Generationen überdauernde unseres individuellen Daseins. In ihr ruht die Weisheit, welche das Resümee des Lebens und jahrzehntelanger Erfahrungen und Willenskraft ist. Sie übernimmt die Initiierung von Aktion, die von der gebildeten persönlichen Festigkeit ausgeht. Lorenzen 2002, 227

Die Nieren […] speichern die Energie unserer Vorfahren. Sie enthalten die Essenz, die sowohl der Eizelle als auch dem Spermium das Potenzial verleiht, neues Leben zu erschaffen. Auch liegen hier unsere tiefsten Reserven, auf die wir in Zeiten größter Not zurückgreifen können. Aus dieser vitalen, vererbten Energie entspringen Wille, Zielstrebigkeit, Vitalität und Kraft. […] Die Nieren stellen eine reiche und konzentrierte Energiequelle dar, die enorme Reserven bietet. […] Es sind die Nieren, in denen unser geistiges Erbe liegt. Kaatz 2005, 515

Pulsqualität Wasser

Zur Wandlungsphase Wasser gehört als Pulsqualität Chen Mai, der tiefe Puls; der Chen Mai wird auch als steiniger Puls bezeichnet, wobei steinig im Sinn von tiefliegend, sacht, gleitend gemeint ist.
Chen heißt auch: versinken, untergehen, sinken, versenken, tief; das Schriftzeichen hat den Wasserradikal Shui, daneben ein Mensch, der sich zurückzieht und einen Raum verlässt.

Ein Puls, der so lange nicht gefühlt werden kann, bis ein starker Druck auf die Sehne und Knochen es Handgelenks ausgeübt wird, heißt sinkender oder tiefer Puls. Lorenzen 2000, 166

Ebenso sinkt die Pulswelle beim Chen Mai in die Tiefe und scheint den normalen Raum des Pulsgeschehens zu verlassen. Erst beim festen Druck unterhalb des Fleisches, aber oberhalb des Knochens, spüren wir wieder seine Präsenz. Lorenzen 2000, 166

Er fühlt sich an wie ein Ball aus Baumwolle auf Sand, weich an der Oberfläche, aber stark und fest am Boden. Man fühlt ihn nur, wenn man danach sucht, er ist vergleichbar mit einem Stein im Wasser. Er ist tief und niedergedrückt, wie Wasser, das natürlicherweise nach unten sinkt. Li Shizhen, Bin Hu Mai Xue

Quellenverzeichnis
Kaatz, Debra. 2005. Characters of Wisdom: Taoist Tales of the Acupuncture Points. The Petite Bergerie Press.
Lorenzen, Udo. 2002. Die Wandlungsphasen Der Traditionellen Chinesischen Medizin: Holz. 1 Holz. München: Müller und Steinicke.
Lorenzen, Udo. 2000. Die Wandlungsphasen Der Traditionellen Chinesischen Medizin: Wasser. 5 Wasser. München: Müller & Steinicke.

 

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