Wandlungsphase Erde

Erde ist eine der fünf Wandlungsphasen der Fünf-Elemente-Lehre (Wu Xing), die die Gesetzmäßigkeiten von Naturphänomenen beschreibt. Zur praktischen Anwendung kommt diese Theorie z. B. in der Akupunktur.

Wandlungsphase Erde | Meridiane | Pulsqualität

Die Erde, unser Mittelpunkt, das Zentrum der Geborgenheit, ist die Grundlage für das Reifen von Beziehungen zu anderen. Erst ein Ich-Gefühl, ein mit-sich-selber-Übereinstimmen gibt uns die Möglichkeit, mit anderen Beziehungen und Bindungen einzugehen. Es ist die Definition des Ich in Relation und Abgrenzung zur Umwelt. Es ist ein Ich, das seine Kraft schöpft aus der Bindung zur Mutter Erde, aus einem Gefühl heraus, geborgen, umhegt und akzeptiert zu sein. Ein Zuhause zu haben, in das man sich zurückziehen kann, nicht mehr strebend und agierend, sondern die Kraft und Ruhe und Geborgenheit in sich aufnehmend.
Nur bei einer guten Erde, die das Vertrauen in sich selber, in seine eigenen mütterliche (houtian) Energie gibt, ist es möglich, sich erfolgreich loszulösen. Dann ist die energetische Grundlage geschaffen für einen lebenslangen Prozess des Aufbaus neuer Beziehungen auf allen Ebenen des Dasein. Das heißt im Sozialisierungsprozess, dass das Metall einen Menschen in die Lage versetzt, Kontakte mit seiner Umgebung aufzunehmen, gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen, daran zu reifen und zu wachsen. Und in dieser Beziehung heißt es auch, dass er in der Lage ist sie auch aufzulösen, wenn sie unnütz für das Ich geworden sind.
Die Erde lässt uns aufnehmen und sie soll das Aufgenommene für uns nutzbar machen, indem sie es in körpereigene Energie umwandelt (hua). Wenn sie diese Funktion nicht wahrnehmen kann, weil sie hoffnungslos überlastet ist mit Qualität und Quantität des Aufzunehmenden, so sammelt sich Unverdautes und Unverdauliches an. Lorenzen 1994, 205

Erde bedeutet säen und ernten. Shujing, zitiert nach Lorenzen 1996

„Ich bin es wert, umsorgt zu werden“ – das ist es, was die Mutter Erde dem Menschen gibt, das Gefühl, vorbehaltlos umsorgt und angenommen zu werden. Hier wird die Wurzel geschaffen für ein grundlegendes Selbstwertgefühl […,] Selbstliebe. Lorenzen 1996, 132

Der Mensch steht in der Welt, er ist für sich allein der Kristallisationspunkt, der Schnittpunkt aller Aspekte dieser Welt […] Jede Wahrnehmung ist verbunden mit […] einer bestimmten individuellen Wertung [Yi = Idee und Sinn], die aus [… individueller] Erfahrung [… entstand] Nachdenken bedeutet die denkende Integration von Sinneseindrücken […,] Assimilation von Fremdeinflüssen. Lorenzen 1996,  130

Die Erde braucht Ruhe, braucht Zeit, um Bilder entstehen zulassen. Der Faktor Zeit ist unabdingbare Voraussetzung für das Erreichen einer Tiefe im Wissen und um Erfahrungen zu machen […] Wenn alle polaren Gegensätze integriert und neutralisiert worden sind, entsteht Stille. In dieser Stille kann ein neues Bewusstsein […] geboren werden. Lorenzen 1996, 144 + 73

Meridiane und Pulsqualität

Zur Wandlungsphase Erde gehören die Funktionskreise Magen (Ma; Magenmeridian) und Milz-Pankreas (MP). Nachfolgend einige Zitate.

Die Funktionskreise Magen und Milz-Pankreas

Die zentrale Funktion der Milz in der Assimilation und Integration von Fremdeinflüssen geht weit über die stoffliche Nahrungsaufnahme und -verwerten hinaus. Lorenzen 1996, 11

Die Fähigkeit, rational und zielgerichtet zu denken, hängt… von der Stärke der Milz ab. Die Milz als Instanz der Assimilation und Integration von Fremdeinflüssen hat eine Vielzahl von Einflüssen zu verarbeiten [. …] Nur in dem Maße, in dem sie integriert werden können, nähren sie uns. In dem Maße, in dem sie zurückgewiesen werden, entlasten sie uns. Lorenzen 1996, 98-99

Hinter all diesen geistigen Aktivitäten steckt die Milz als Basis. Wenn die Milz stark ist, ist das Denken klar und logisch, das Konzentrationsvermögen und Gedächtnis gut, die Ideen fließen zielgerichtet. Lorenzen 1996, 145

Die Milz beherrscht Umwandlung und Transport.
Die Milz ist zuständig für den Stoffwechsel, also die Umwandlung körperfremder Energien in körpereigenes Substrat. Lorenzen 1996, 176

Auf der geistig-emotionalen Ebene geschieht hier [im Magen] in dieser Assimilationsstufe die erste Vermengung eigener mit fremden, von außen kommenden Energien. Es ist der erste Kontakt, und es entscheidet sich hier, ob man etwas „mag“ oder nicht, ob man sich überhaupt so intensiv mit jemandem/etwas beschäftigen will, dass man ihn/es in sich aufnehmen, sprich: herunterschlucken will. Lorenzen 1996, 176

Die Erde liefert das ganze Jahr über das, was jedes Lebewesen und jede Pflanze zum Überleben benötigt. Eine jede Lebensform hat dabei ihre ganz spezielle Art, Nahrung zu speichern und zu verteilen. […] Ohne gute Nahrungsverteilung werden unsere täglichen Aufgaben zum Kampf und wir verlieren unser Gleichgewicht und unsere Sicherheit. Die Zukunft ist dann nicht mehr sicher. Wenn alles im Fluß ist, können wir voll Zuversicht arbeiten und uns bewegen, weil wir wissen, dass es dann, wenn wir sie brauchen, alle nötigen Mittel geben wird. Kaatz 2005, 369

Pulsqualität Erde

Zur Wandlungsphase Erde gehört als Pulsqualität Huan Mai, der behäbige Puls; entspannt, groß
Huan bedeutet: langsam, gemächlich, locker, verzögert, etwas nachlässig.

Ein Puls, der etwas schneller als ein langsamer Puls ist, der exakt vier Schläge pro Atmung hat, nennt man behäbig (Huan).
Er ist wie ein Faden auf dem Webstuhl, der noch nicht gespannt ist. Er ist schlaff am Finger und ist in jeder Hinsicht normal. Er ist geschmeidig und entspannt wie der Ast einer Trauerweide, der in einer sanften Frühlingsbrise schaukelt. Der behäbige Puls zeigt eine Fülle des Shen Qi an. Egal, welche andere Qualität der Puls noch hat, wenn er behäbig ist und entspannt, zeigt er Shen an. Ein Puls, der Shen Qi enthält, zeigt gewöhnlich, dass das Magen-Qi noch in Ordnung ist und das Nieren-Qi üppig ist. Li Shizhen, Bin Hu Mai Xue

Quellenverzeichnis
Kaatz, Debra. 2005. Characters of Wisdom: Taoist Tales of the Acupuncture Points. The Petite Bergerie Press.
Lorenzen, Udo. 1996. Die Wandlungsphasen Der Traditionellen Chinesischen Medizin: Erde. 3 Erde. München: Müller & Steinicke.
Lorenzen, Udo. 1994. Die Wandlungsphasen Der Traditionellen Chinesischen Medizin: Metall. 2 Metall. München: Müller & Steinicke.

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