Wandlungsphase Erde

Die Erde, unser Mittelpunkt, das Zentrum der Geborgenheit, ist die Grundlage für das Reifen von Beziehungen zu anderen. Erst ein Ich-Gefühl, ein mit-sich-selber-Übereinstimmen gibt uns die Möglichkeit, mit anderen Beziehungen und Bindungen einzugehen. Es ist die Definition des Ich in Relation und Abgrenzung zur Umwelt. Es ist ein Ich, das seine Kraft schöpft aus der Bindung zur Mutter Erde, aus einem Gefühl heraus, geborgen, umhegt und akzeptiert zu sein. Ein Zuhause zu haben, in das man sich zurückziehen kann, nicht mehr strebend und agierend, sondern die Kraft und Ruhe und Geborgenheit in sich aufnehmend.
Nur bei einer guten Erde, die das Vertrauen in sich selber, in seine eigenen mütterliche (houtian) Energie gibt, ist es möglich, sich erfolgreich loszulösen. Dann ist die energetische Grundlage geschaffen für einen lebenslangen Prozess des Aufbaus neuer Beziehungen auf allen Ebenen des Dasein. Das heißt im Sozialisierungsprozess, dass das Metall einen Menschen in die Lage versetzt, Kontakte mit seiner Umgebung aufzunehmen, gesellschaftliche Kontakte zu knüpfen, daran zu reifen und zu wachsen. Und in dieser Beziehung heißt es auch, dass er in der Lage ist sie auch aufzulösen, wenn sie unnütz für das Ich geworden sind.
Die Erde lässt uns aufnehmen und sie soll das Aufgenommene für uns nutzbar machen, indem sie es in körpereigene Energie umwandelt (hua). Wenn sie diese Funktion nicht wahrnehmen kann, weil sie hoffnungslos überlastet ist mit Qualität und Quantität des Aufzunehmenden, so sammelt sich Unverdautes und Unverdauliches an. (1)

Erde bedeutet säen und ernten. (2)

„Ich bin es wert, umsorgt zu werden“ – das ist es, was die Mutter Erde dem Menschen gibt, das Gefühl, vorbehaltlos umsorgt und angenommen zu werden. Hier wird die Wurzel geschaffen für ein grundlegendes Selbstwertgefühl… Selbstliebe. (3)

Der Mensch steht in der Welt, er ist für sich allein der Kristallisationspunkt, der Schnittpunkt aller Aspekte dieser Welt… Jede Wahrnehmung ist verbunden mit… einer bestimmten individuellen Wertung [Yi = Idee und Sinn…], die aus… [individueller] Erfahrung… [entstand]… Nachdenken bedeutet die denkende Integration von Sinneseindrücken… Assimilation von Fremdeinflüssen… (4)

Die Erde braucht Ruhe, braucht Zeit, um Bilder entstehen zulassen. Der Faktor Zeit ist unabdingbare Voraussetzung für das Erreichen einer Tiefe im Wissen und um Erfahrungen zu machen… Wenn alle polaren Gegensätze integriert und neutralisiert worden sind, entsteht Stille. In dieser Stille kann ein neues Bewusstsein… geboren werden. (5)

(1) Udo Lorenzen, Die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin, Bd. Metall, 2 (München: Müller & Steinicke, 1994), S. 205 – 207
(2) Shu Jing (Buch der Aufzeichnungen; ca. 400 vor Chr.)
(3), (4), (5) Udo Lorenzen, Die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin, Bd. Erde, 3 (München: Müller & Steinicke, 1996), S. 132, 130, 144 + 73

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21. Mai 2011 von kus
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