Funktionskreis Lunge (Lungenmeridian)

Die Lunge hat das Amt eines Staatsministers und Kanzlers. Ein geordneter Rhythmus geht von ihr aus. (1)

Es ist die Lunge, die das Qi des Himmels empfängt und rhythmisch seine Impulse im Körper verteilt.(2)

Die Lunge ist der Ort des Austausches überhaupt. Die klare Energie des Himmels Qing Qi wird hier aufgenommen und die trübe Energie des Menschen Zhuo Qi ausgeschieden. Das geschieht vermittels einer rhythmischen Atembewegung. (3)

Ganz anders dagegen die Bewegung des Öffnens der Lunge beispielsweise, des Metalls: die Nase öffnet sich nach innen, lässt Empfindungen wahrnehmen, feinstoffliche Impulse, die häufig genug unser tiefstes Innerstes berühren. (4)

Wie die Lunge ist das Leben durch Aufnahme und Abgabe bestimmt. Unnützes wird abgegeben, Wertvolles behalten…. funktioniert nur weil es eine… Begrenzung gibt.
Diese Grenze – der Moment des Wechsels – birgt in sich die größte Kraft, das größte Potential. Und so ist auch jede Wahrnehmung der Grenzen, der Ablösung und Trennung und sein Erleben als Krise ein großes Potential für die Entwicklung des Menschen. Wenn er eben durch ein ausgewogenes Metall in der Lage ist daraus Erkenntnisse und Erfahrungen zu schöpfen und somit sein Wasser zu mehren. (5)

Für das Tun Wei (zum Regieren) braucht der Herz-Kaiser jedoch den ausführenden Lungen-Minister. Das Herz kontrolliert die Lunge im Ke-Zyklus, beide Funktionen sind also eng miteinander verknüpft. Beide Organe befinden sich an privilegierter Stelle im Körper, im himmlischen Bereich des oberen Erwärmers. Die Lunge beherrscht das Qi, das Herz beherrscht das Blut, das Qi folgt dem Blut wie ein Schatten der Gestalt. (6)

Die Lunge ist zuständig für das Verteilen und hinabsteigen. (7)

Die Lunge ist unser größtes Kontaktorgan (Hautoberfläche: 1,5 bis 2 m² vs. Oberfläche der Lungenbläschen: 80-120 m²), über das wir beständig mit unserer Umwelt kommunizieren. Unsere Lunge bildet eine Grenze zwischen uns und unserer Umwelt. Mit jedem Atemzug öffnen wir diese Grenzen, um nicht-Selbst in uns aufzunehmen, und mit jedem Ausatmen geben wir Selbst an Umwelt ab.
Unser Atmen ist die praktische Umsetzung des Prinzips (Trigramms) Dui: aufnehmen und abgeben.

(1) Aus dem Huáng Dì Nèi Jīng Sù Wèn (ca. 2698-2598 v. Chr.), Kap. 8
(2), (3), (4), (5), (6), (7) Udo Lorenzen, Die Wandlungsphasen der traditionellen chinesischen Medizin, Bd. Metall, 2 (München: Müller & Steinicke, 1994), S. 24, S. 37, S. 217, S. 221, S. 39, S. 286

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19. Mai 2011 von kus
Kategorien: Metall, Zitate | Schlagwörter: , | Kommentare deaktiviert für Funktionskreis Lunge (Lungenmeridian)